ST.Weicken

The/Das
Interview

Wem 'Techno Tenderness' bis jetzt Begriff ist, sollte sich beim hören des am 15.08 erscheinenden The/Das Album aufklären lassen. Mit der Veröffentlichung ihres ersten Longplayers haben Bodi Bill Mitgründer Fabian Fenk und Anton Feist den Sprung vom Projekt zur Band gewagt. Ob das gelungen ist und wie sie sich von Bodi Bill unterscheiden, haben wir in Berlin herausgefunden.

Wann habt ihr angefangen Musik zu machen?
Fabian: Bei uns an der Schule gab es viele die Musik gemacht haben. Gitarrenunterricht hat bei mir nicht so geklappt aber ich war als kleines Kind total von Freddy Mercury inspiriert. Irgendwann hab ich mich getraut mir ein paar Gitarrenakkorde zeigen zu lassen- da war ich aber schon in der 11. Klasse. Als das mit den Schülerbands vorbei war, nach der Schule, habe ich dann die elektronische Musik für mich entdeckt.
Wir haben jetzt seit zwei Jahren ein Klavier und für mich ist es immer noch total neu. Das ist total abgefahren, da ist so ne richtige Neugier bei.
Anton: Ist aber auch ganz gut, wenn man keinen Unterricht hatte. Da hat man nen ganz anderen Zugang zu Instrumenten. Ich sag immer, geh bloß nicht zum Klavierlehrer, der würde dir nur seinen Stil aufdrücken. Fabian spielt ja manchmal Sachen, die kann ich gar nicht spielen obwohl ich ne klassische Ausbildung hab. Aber Musik kann man auch nicht erzwingen, das kommt und geht. Manchmal hat man nicht so viel zu sagen und dann muss man evtl. sein Album um nen Jahr verschieben. Wenn man, wie wir damals als wir angefangen haben, während des Studiums Musik macht, dann ist man entspannter... is ja nur ein Hobby.

Wann wurde es bei Euch denn Ernster?
Fabian: Du wirst halt immer öfter angefragt. Deine Gagen steigen, deinen Popularität steigt und du merkst halt, dass du es dir langsam leisten kannst keine anderen Jobs mehr nebenbei zu machen. Man schlittert da so rein und plötzlich sind 5 Jahre vergangen.
Anton: Ich glaube das nur soziale Netzwerke den Erfolg von Bodi Bill damals ermöglicht haben. Mit Myspace hat es angefangen. Heutzutage geht das gar nicht mehr so. Dieses um-sich-selber-kümmern geht heute ja ganz anders.Viele Leute die sich vielleicht für die neue Band interessieren würden kriegen das ja über Facebook gar nicht mehr mit.

Früher Bodi Bill, jetzt The/Das nur zu zweit statt zu dritt, wie schafft ihr es die beiden Bands zu trennen?
Fabian: Nachdem wir vor zwei Jahren beschlossen haben mit Bodi Bill Pause zu machen, sind wir ja auch mit dem Label in ein neues Haus gezogen. Das war ganz gut als Neuanfang. Man muss natürlich erst mal diese ganzen Bodi Bill-mäßigen Sachen aus dem Kopf zu kriegen. Klar, wir sind noch die gleichen Typen aber Alex ist nicht dabei und für mich hat es bis zur Fertigstellung dieses Albums gedauert richtig bei The/Das anzukommen.
Anton: Man verlässt sich natürlich gern auf Sachen von denen wir wissen, dass sie funktionieren und warum sollte man darauf nicht zurückgreifen?Es ist halt ein bisschen so wie nach dem Ende einer Beziehung: du musst dich erst mal neu finden und nichts funktioniert mehr so wie früher. Wir waren jetzt 1 Jahr als Trio mit Thomalla unterwegs und waren so ein aufgeblasenes DJ Trio und haben uns dann entschlossen eine Band zu gründen. Jetzt sind wir zu viert und eine richtige Band.
Fabian: Für mich ist es fast 14 Jahre her, dass ich mit einem Schlagzeuger auf der Bühne stand.
Anton: Das hat auch was physisches. Selbst wenn ich es verkacke dann ist da ein Typ hinter mir der macht und rührt und es ballert eher. Das ist einfach ne andere Szene.
Fabian: Als wir dir erste Tour mit Bodi Bill gemacht haben da haben wir vor Publikum gespielt die noch nie Leute Musik mit nur 3 Laptops haben machen sehen. Die haben uns angeguckt wie Autos.

Was ist für Euch der größte unterschied zwischen The/Das und Bodi Bill?
Fabian: Mit Bodi Bill war damals noch alles sehr chaotisch und unreif. Ich find es krass das Leute es schaffen eine ganze Platten in einem Stil zu machen. Wir machen ja bei jedem Song was Neues. Durch den Abstand von Bodi Bill habe ich das Gefühl, dass ganz automatisch ein Reifeprozess eingetreten ist.Ich denke das unreife was Bodi Bill bei den ersten beiden Platten hatte geht schon mal, aber das kann man nicht immer machen. Alles vollknallen weil 3 Leute ihre Ideen unterbringen wollen... Das Schwutz Konzert von The/Das hat mir irgendwie gezeigt, dass es nicht so schlimm ist das wir mittlerweile älter sind. Wir machen das ja schon so lange und jedes Jahr gibt es so viele neue Bands...
Anton: In unserer Gesellschaft ist es ja schon so, wenn du über 30 bist und Popmusik machen willst, glaubt dir das nicht jeder dass das relevant wäre. Letztes Jahr auf dem Melt haben wir einen Kollegen getroffen der nach seinem Auftritt meinte „ Krass, ich muss weiter Musik machen! Die Jugend hier haut mich jetzt nicht um.“ Ist ja cool wenn er das Gefühl hat, er kann noch was beitragen.
Fabian: Momentan glaube ich, dass es total wichtig ist eine Band zu sein. Gerade Berlin verhungert da ziemlich. Mein Stiefbruder ist 16 und kennt mehr Technostücke als ich.
Ich glaube eine lebendige Bandszene gehört zu einer kulturvollen Stadt. Es gibt da einfach eine Lücke und wir wären blöd wenn wir das nicht machen würden.
Anton: Ne Band zu sein ist zur Zeit irgendwie nicht populär und nervt eher. Die Leute wollen ein Dj Pult aufbauen und das war's. Als wir einen Auftritt in Detroit hatten kamen wir an und haben gesagt wir brauchen 10 Controller und ditte und ditte und haben nur genervt.
Fabian: Egal wie krüppelig ich Gitarre spiele, ich habe momentan das Gefühl ich muss das tun, weil nur durch diesen Zufall meiner Finger und meiner Stimme etwas wirklich individuelles entsteht. Computer sind ja nicht unterbewusst und du forderst deine Fähigkeiten eher heraus wenn du live spielst. Es ist eben auch geil mal den Rechner wegzulegen.
Anton: Als Band ist es cooler live zu spielen weil du bei jedem Konzert was neu interpretieren kannst.

Mit Live Auftritten verdienen die meisten Musiker mittlerweile ja auch hauptsächlich ihr Geld. Seht ihr das Medium Album auch in Zukunft überleben?
Anton: Es muss Alben geben wenn du dich musikalisch normal artikulieren willst. Wenn ich ein Song aus dem Album nehmen musst als Single ist das echt schrecklich. Du musst ja ne Single haben damit du überhaupt mit schreien kannst in der Musikszene. Dann musst du einen Song wählen und denkst, was ist mit dem Rest? Ist der scheiße? Nein, aber er reiht sich nicht ein in das Gebrüll. Wann hast du das letzte mal in ner Disco ne Ballade gehört? Ich finde es wichtig, dass es auch ruhige Songs gibt. Dafür ist ein Album auch da. Die Jugend heute die hören so Playlists von Spotify und haben überhaupt keine Alben mehr zu hause. Als über 30 jährige verstehen wir das gar nicht mehr wie sich das verändert hat.
Fabian: Das ist eine Frage des Einflusses, die kommen ja teilweise gar nicht in Kontakt mit Musik die nicht den ganzen Tag im Radio läuft. Es ist total Schade, dass total viele Leute an den Möglichkeiten ihrer Sinne vorbeileben. Ich vermute, dass es nicht so viele individuelle Momente mehr gibt weil dir von den Medien alles vorgesetzt wird.
Anton: Ich glaube die einzige Art ehrlich Musik zu machen ist eben, die Musik nicht zu kapitalisieren.

Ihr kommt auch gerade vom Videodreh?
Anton: Wofür macht man heute eigentlich noch Musikvideos? Die Produktion, der Aufwand und die Kosten stehen eigentlich in keinem Verhältnis zum Nutzen mehr. Wenn du ne neue Band bist musst du dir das Interesse natürlich auch erarbeiten aber wir müssen auch alles erst mal aus eigener Tasche bezahlen.
Fabian: Wir haben tatsächlich auch zwei unserer Videos selber geschnitten.
Anton: Ich träume davon das ich morgen aufwache und denke 'Was für Musik mach ich heute?', dass alles andere geregelt ist. Aber das bleibt ein Traum.

Interview: Dominik Schmidt und Sophie-Teresa Weicken